
Tief im peruanischen Amazonasgebiet, in der Region Ucayali, haben über 800 Kleinbauernfamilien etwas Außergewöhnliches geschaffen: Sie haben den Anbau illegaler Kokapflanzen aufgegeben und sich so den Zugang zum Weltmarkt erschlossen. Es handelt sich dabei nicht nur um eine produktive Palmölproduktion, sondern um einen konkreten Beweis dafür, dass Nachhaltigkeit und genossenschaftliche Entwicklung Hand in Hand gehen können.
Von: Juan Camilo Plazas
In einigen der schwierigsten Jahre Perus, als Drogenhandel und illegaler Anbau weite Teile des Amazonasgebiets beherrschten, bildete Ucayali keine Ausnahme. Für viele Familien war Koka die einzige praktikable Alternative. Heute bauen dieselben Familien Ölpalmen an, was ihnen die Möglichkeit gibt, ihre Kinder zur Schule und Universität zu schicken und gleichzeitig aktiv an globalen Lieferketten teilzunehmen.
Dieser Wandel geschah nicht zufällig. Er entstand durch Organisationen, die bereit waren, die Grundlagen für den Aufbau von etwas Dauerhaftem zu schaffen.
Das Zentralkomitee der Palmenzüchter von Ucayali (COCEPUSeit über 35 Jahren tut COCEPU genau das. Gegründet mit dem klaren Ziel, Palmölbauern bei der nachhaltigen und wettbewerbsfähigen Produktion zu unterstützen, hat sich COCEPU zu einer der bekanntesten landwirtschaftlichen Genossenschaften Perus entwickelt. Heute vereint sie 844 aktive Mitglieder, die in elf lokalen Verbänden in der gesamten Region organisiert sind.
Nachhaltigkeitsprinzipien für Palmenzüchter
Was COCEPU auszeichnet, ist nicht nur seine Größe, sondern vor allem seine Philosophie. Sein Motto „Ich bin ein Palmenzüchter, Nachhaltigkeit steht an erster Stelle“ ist der Grundsatz, der jede Entscheidung leitet – von der Plantage bis zum internationalen Markt.
„Auf Organisationsebene bewirtschaften wir über 13,000 Hektar Ölpalmenplantagen nach einem umfassenden Nachhaltigkeitsansatz. Unser Ziel ist es, sicherzustellen, dass jeder Hektar nicht nur wirtschaftlichen Wert, sondern auch soziale und ökologische Vorteile für unsere Gemeinden generiert – stets im Einklang mit den Standards, die unsere Organisation definieren“, sagte Carlos Pastrana, Leiter Nachhaltigkeit bei COCEPU.
Dieses Engagement genießt mittlerweile weltweite Anerkennung. COCEPU wurde 2024 zertifiziertes RSPO-Mitglied – ein Erfolg, der jahrelange Anstrengungen und Hingabe zur Erfüllung der weltweit anspruchsvollsten Umwelt- und Sozialstandards widerspiegelt.

Für die Erzeuger ist diese Zertifizierung eine Garantie dafür, dass ihr Palmöl, das auf den Markt kommt, rückverfolgbar ist, die Umwelt und faire Arbeitsbedingungen respektiert und durch strenge Prüfverfahren verifiziert wird.
Eine „soziale Fabrik“, in der die Produzenten Aktionäre sind.
Das Modell von COCEPU wird durch strategische Partnerschaften weiter gestärkt. Die Organisation arbeitet eng mit OLAMSA (Oleaginosas Amazónicas SA) und AOPSA (Agroindustrias Oleaginosas del Perú SA), wodurch ein Kreislauf geschlossen wird, der von der Ernte im Amazonasgebiet bis zum veredelten Produkt reicht.
Dieses Modell funktioniert wie eine „soziale Mühle“, in der die Produzenten selbst Anteilseigner der Unternehmen sind, die ihre Ernte verarbeiten und vermarkten. So wird sichergestellt, dass die Wertschöpfung in jeder Phase der Lieferkette in den Händen der Familien verbleibt, die die Palmen anbauen. Dieser integrierte Ansatz vereint Rückverfolgbarkeit, Effizienz und Nachhaltigkeit entlang der gesamten Lieferkette.
Dieses System funktioniert wie eine „soziale Mühle“, bei der die Produzenten selbst Anteilseigner der Unternehmen sind, die ihre Ernte verarbeiten und vermarkten. Dadurch wird sichergestellt, dass der Wert, der in jeder Phase der Wertschöpfungskette entsteht, in den Händen der Familien bleibt, die die Palmen anbauen.
Ihr Modell ist nicht unbemerkt geblieben. Im Jahr 2025 werden Nachhaltigkeitsbeauftragte von großen globalen RSPO-Mitgliedsorganisationen, darunter The Hershey Company, Grupo Bimbo und Natura & Co, reiste im Rahmen einer von der RSPO organisierten Tour nach Ucayali.Ziel war es, lateinamerikanische Kleinbauern, darunter auch Mitglieder von COCEPU, mit großen Abnehmern aus ganz Amerika zu vernetzen.
Die Arbeit vor Ort ist ebenso ambitioniert. Das technische Team von COCEPU unterstützt über 500 Kleinbauern bei der Einführung des RSPO-Standards. Das Ziel ist klar: die traditionelle Palmölproduktion in ein wirklich nachhaltiges Modell zu transformieren, das soziale, ökologische und ökonomische Dimensionen umfasst.
Alexander Pérez, Präsident von COCEPU, erklärte: „Nachhaltigkeit im Ölpalmenanbau ist nicht nur ein Ziel, sondern der notwendige nächste Schritt, um die Zukunft unserer Familien zu sichern. Wir rufen weitere Erzeuger dazu auf, diesen wichtigen Schritt zu gehen, konventionelle Modelle hinter sich zu lassen und verantwortungsvolle sowie nachhaltige Produktionsmethoden anzuwenden, die die Umwelt schützen, unsere Gemeinschaften stärken und neue Chancen auf nachhaltigen Märkten eröffnen. Wandel ist möglich, und gemeinsam können wir ihn erreichen.“

Für Hunderte von Familien ist COCEPU weit mehr als nur eine Organisation. Sie bedeutet Zugang zu einem sicheren Einkommen, technischer Unterstützung und vor allem die Chance, sich eine andere Zukunft aufzubauen. Eine Zukunft, in der ihre Erzeugnisse zur Entwicklung ihrer Gemeinschaften beitragen, ihr Territorium schützen und ihre Region mit dem Rest der Welt verbinden.
Die Herausforderung besteht nun darin, diese solide Grundlage in einen sinnvollen Zugang zu nachhaltigen Märkten umzusetzen und dabei den Wert der Zertifizierung voll auszuschöpfen.
Mit jeder einzelnen Ernte im Herzen des Amazonas definieren Organisationen wie COCEPU neu, was es bedeutet, nachhaltiges Palmöl zu produzieren.
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