
Angesichts der sich stetig wandelnden globalen Nachhaltigkeitslandschaft ist der Bedarf an wirkungsvollen Lösungen in großem Umfang entscheidend. Der Jurisdiktionsansatz (JA) der RSPO bietet einen kooperativen und integrativen Weg, um ganze Regionen auf eine nachhaltige Palmölproduktion umzustellen.
Von: Juan Camilo Plazas
Anders als herkömmliche Zertifizierungsmodelle, die sich auf einzelne Erzeuger oder Unternehmen konzentrieren, operiert der RSPO-Jurisdiktionsansatz (JA) auf der Ebene eines politischen Verwaltungsgebiets, wie beispielsweise eines Bezirks, Bundeslandes oder sogar eines Landes. Indem er Regierungen, Erzeuger, Verarbeiter, Händler, die Zivilgesellschaft und lokale Gemeinschaften in einem gemeinsamen Rahmen zusammenbringt, ermöglicht der JA koordiniertes Handeln und langfristigen Strukturwandel.
Kernstück dieses Ansatzes ist eine starke staatliche Führung. Durch das Konzept der „Aufwärtsdelegation“ werden zentrale Nachhaltigkeitsaufgaben wie Monitoring, Durchsetzung und politische Abstimmung in die lokalen Regulierungssysteme integriert. Dies gewährleistet, dass Nachhaltigkeitsverpflichtungen nicht nur konsequent umgesetzt, sondern auch durch Gesetze und Richtlinien gestützt werden und so über die einzelnen Akteure hinaus nachhaltige Wirkung erzielen.
Die Vorteile dieses Modells sind erheblich. Durch die großflächige Anwendung verbessert JA die ökologische Vernetzung, unterstützt effektivere Naturschutzmaßnahmen und senkt die Hürden für die Zertifizierung, insbesondere für unabhängige Kleinbauern. Zudem stärkt es das Marktvertrauen, indem es Nachhaltigkeitsbestrebungen mit staatlich geförderten Systemen in Einklang bringt.
Neue Partnerschaft mit japanischem RSPO-Mitglied: FPIC-Studien beginnen
Seit ihrer Einführung im Jahr 2015 hat die RSPO stetige Fortschritte bei der Umsetzung des Jurisdiktionsansatzes erzielt. Drei Pilotjurisdiktionen – Seruyan in Indonesien, Sabah in Malaysia und Ecuador auf nationaler Ebene – durchlaufen derzeit diesen schrittweisen Ansatz.
Jüngste Entwicklungen markieren wichtige Meilensteine auf diesem Weg, wobei neue Partnerschaften das Potenzial von JA stärken. Eine kürzlich von Mitsui, einem in Japan ansässigen RSPO-Mitglied, initiierte Kooperation verbindet RSPO, Wild Asia und Sabah JASPO (Jurisdictional Approach to Sustainable Palm Oil), um die Entwicklung einer regionalen, auf mehreren Interessengruppen basierenden Initiative in Sabah, Malaysia, zu untersuchen.
Im Rahmen dieser Kooperation fungieren Wild Asia und Mitsui als gemeinsame Entwickler der Initiative und arbeiten an der Gestaltung eines inklusiveren und transparenteren Lieferkettenmodells, das Mühlen und Kleinbauern einbezieht. Die RSPO trägt als technische Plattform und Multi-Stakeholder-Plattform bei und unterstützt die Angleichung an ihre Standards und den Rahmen des Jurisdiktionsansatzes. Sabah JASPO spielt eine Schlüsselrolle bei der Koordination der Stakeholder und der Abstimmung der Initiative mit den Nachhaltigkeitsstrategien des Bundesstaates.
Ziel der Initiative ist es, den Klimaschutz, naturnahe Ergebnisse und inklusive Lieferketten voranzutreiben und gleichzeitig die Machbarkeit der Ausweitung solcher Modelle durch einen jurisdiktionellen Ansatz zu bewerten.
Darüber hinaus hat iIn Seruyan als zuständige Gebietskörperschaft ihren Antrag auf RSPO-Mitgliedschaft eingereicht, der derzeit geprüft wird. In den Pilotprojekten schreiten die technischen Arbeiten zügig voran, darunter die Entwicklung von Methoden für die Bewertung von Gebieten mit hohem Schutzwert (HCV) und hohem Kohlenstoffbestand (HCS) sowie für die Analyse von Landnutzungsänderungen (LUCA).
Es werden weitere Fortschritte bei der Anpassung zentraler RSPO-Mechanismen an die jeweiligen Zuständigkeitsbereiche erzielt. Die Feldtests des Sanierungs- und Entschädigungsverfahrens (RaCP) in Seruyan und Sabah sind abgeschlossen, während Studien zur Anwendung des Prinzips der freien, vorherigen und informierten Zustimmung (FPIC) in diesen Kontexten begonnen haben. Diese Bemühungen sind entscheidend, um sicherzustellen, dass die RSPO-Standards weiterhin robust, glaubwürdig und flächendeckend anwendbar bleiben.
Zusammengenommen belegen diese Fortschritte, dass der Jurisdiktionsansatz zunehmend Anwendung findet. Mit dem Fortschreiten der Pilotprojekte positioniert sich JA als zentraler Mechanismus für die großflächige Bereitstellung von nachhaltigem Palmöl und stellt sicher, dass kein Interessenvertreter zurückgelassen wird.

Über den Autor: Juan Camilo Plazas ist Kommunikationsmanager der RSPO für Lateinamerika. Kontakt: E-Mail [E-Mail geschützt] .
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